„Soziale Verteidigung“ (SV) zur Diskussion – Fragen und Antworten

  • Im Unterschied zur militärischen Verteidigung geht es bei der SV nicht darum, besetztes Territorium gegen einen Aggressor zu verteidigen, was ja regelmäßig mit enormen Opfern unter der Zivilbevölkerung und großflächigen Zerstörungen in Städten und von Infrastruktur verbunden ist. Das Wort „Sozial“ im Konzept der SV deutet darauf hin, dass soziale Werte, demokratische Institutionen und gesellschaftliche Errungenschaften verteidigt werden – und zwar ohne Anwendung von physischer Gewalt und durch möglichst koordiniertes und organisiertes Vorgehen der Bevölkerung. 

 

  • SV verzichtet erklärtermaßen auf verletzende oder tödliche Gewalt gegen einen Gegner, legt es aber durch den aktiven Einsatz anderer Methoden darauf an, es einer Besatzungsmacht möglichst schwer und vielleicht sogar unmöglich zu machen, die volle Kontrolle über ein besetztes Territorium zu erobern und auf Dauer zu behalten.
     
  • Einwand: Wie kann das gelingen?
    Antwort:
     Ein Besatzer ist immer auf ausreichende Kooperation der Bevölkerung angewiesen, er braucht funktionierende Institutionen und eine intakte Infrastruktur. Er braucht Menschen, die ihm gehorchen, er braucht Behörden und Institutionen, die seine Anweisungen umsetzen, er braucht Schulen und Lehrer, die seine Ideologie weitergeben usw. Und nicht zuletzt: Er braucht genügend Soldaten, auf die er sich verlassen kann. Wenn ihm dies alles fehlt, weil ihm die Kooperation verweigert wird, dann funktioniert auch sein Besatzungsregime nicht auf Dauer.

     
  • Einwand: Aber wie soll denn diese nicht-militärische Verteidigung funktionieren, das ist doch illusorisch!
    Antwort: Es gibt für keine Verteidigungsform eine Erfolgsgarantie. Wenn Sie nach herkömmlicher Vorstellung davon ausgehen, dass in Kriegen die eine Seite „gewinnt“ und die andere „verliert“, dann liegt die militärische „Erfolgschance“ bei höchstens 50 Prozent. Das ist nicht viel und spricht nicht gerade für die Überlegenheit militärischer Gegenwehr. Trotzdem glauben alle, dass bewaffnete Verteidigung effektiver ist als soziale Verteidigung – obwohl diese Variante noch nirgendwo richtig ausprobiert wurde! 

     
  • Es gibt aber in der jüngeren Geschichte einige praktische Beispiele, wo sich die Menschen massenhaft mit zivilem Widerstand gegen eine militärische Invasion gewehrt haben, etwa in den skandinavischen Ländern Dänemark und Norwegen gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg oder in der Tschechoslowakei gegen die Invasion der Warschauer Pakt-Staaten 1968. Friedensforscher*innen haben sich diese Fälle genau angesehen und daraus das Konzept der SV entwickelt. Die Schwäche dieser Beispiele lag in allen betrachteten Fällen darin, dass der Widerstand mehr oder weniger spontan geleistet wurde, meistens unorganisiert und ohne große Vorbereitung. Trotzdem hatte er eine enorme Wirkung. Wir erinnern uns etwa an die Bilder aus Prag und anderen Städten, als die Menschen massenhaft auf die Straße gingen und sich den russischen Panzern entgegenstellten, als ganze Militäreinheiten von diesen gewaltlosen Protesten demoralisiert wurden und schon nach wenigen Tagen ausgewechselt werden mussten. In Norwegen und Dänemark reichten die Aktionen von großen Demonstrationen bis hin zu Arbeitsniederlegungen. Jede Berufsgruppe erfand spontan ihre eigene Widerstandsform: So weigerten sich zum Beispiel die Lehrer*innen, die sich nach den Lehrplänen der Marionettenregierung zu richten. Die von den Deutschen eingesetzte Verwaltung des Kollaborateurs Quisling scheiterte am Widerstand der eigenen Bevölkerung. Völlig klar ist: Wenn SV wirken soll, dann muss sie eingeübt und vorbereitet werden.
     
  • Einwand: Wie soll diese Vorbereitung aussehen?
    Antwort: Die beste Vorbereitung auf SV besteht darin, dass wir uns hier und heute in sozialen Bewegungen engagieren, dass wir gewaltfreien Widerstand gegen den Abbau sozialer Errungenschaften einüben, dass wir unsere demokratischen Rechte verteidigen, dass wir eine drohende Machtübernahme durch faschistoide Parteien verhindern, dass wir Mut und Phantasie entwickeln, mit denen wir uns gegen die fortschreitende Militarisierung von Staat und Gesellschaft wehren können. 

 

IDK e.V., Mai 2026

Soziale Verteidigung - eine Einführung in das Thema
Soziale Verteidigung - ziviler Widerstand - ziviler Ungehorsam
Soziale Verteidigung1.pdf
PDF-Dokument [912.1 KB]

 

 

 

Soziale Verteidigung: ein Konzept gegen die „Kriegstüchtigkeit“

 | Christine Schweitzer, in Zeitschrift Graswurzelrevolution Sommer 2025

 

 

Kriegsdienste verweigern im Spannungsfall (Stand Anfang 2025)

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Kriegsdienste verweigern im Spannungsfall - hier ein paar Paragraphen zur Rechtslage ...

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Kriegsdienste verweigern

Die Verweigerung von Kriegsdiensten bzw. die Unterstützung von Verweigerern und Verweigererinnen ist eine zentrale Aufgabe der IDK. In vielen Ländern gibt es kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Internationale Unterstützung ist wichtig.

In dieser politischen Arbeit ist die IDK als Sektion mit der War Resisters' International (WRI) verbunden und arbeitet in Deutschland mit Connection e.V. zusammen.

 

Kriegsdienstverweigerung ist individuelle Selbstabrüstung und Kriegsbehinderung.

 

Kriegsdienstverweigerung: Ein Menschenrecht?

Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen wird heute von vielen Staaten und internationalen Organisationen anerkannt. Dieses Recht geht aber gewöhnlich mit Gewissensprüfungen und dem Zwang zu einem Ersatzdienst einher. Zu einem Menschenrecht gehört aber, dass es allen Menschen ohne Bestrafung zusteht. Das gegenwärtige Kriegsdienstverweigerungsrecht ist deshalb weit davon entfernt, ein Menschenrecht zu sein.

IDK-Publikationen

 

Transnationale Solidarität

In vielen Ländern werden Menschen zwangsweise für den Krieg rekrutiert. Wer verweigert, wird oft diskriminiert und verfolgt. Die Unterstützung für Kriegsdienstverweigerer und Kriegsdienstverweigerinnen auf nationaler und transnationaler Ebene war und ist eine wichtige Aufgabe der IDK.

Seitdem in den meisten Staaten Westeuropas der Zwang zum Kriegsdienst ausgesetzt oder abgeschafft wurde, konzentriert sich die Solidaritätsarbeit auf Länder wie Finnland, Griechenland, die Türkei, die Ukraine, Israel, Ägypten, Eritrea, Südkorea und Kolumbien.

 

War die Idee der Kriegsdienstverweigerung früher fast ausschließlich in Europa und Nordamerika verbreitet, so ist sie heute auf dem ganzen Globus eine relevante Widerstandsform gegen Militär und Krieg. Dies gilt auch für Staaten ohne Militärdienstzwang, denn auch Berufssoldaten und Berufssoldatinnen können verweigern.

 

Kriegsdienstverweigerung als Asylgrund

Viele Menschen, die den Kriegsdienst verweigern, zwingt die Situation im Herkunftsland zur Flucht. Kriegsdienstverweigerung gilt jedoch selten als Grund für die Gewährung von Asyl. Solidaritätsarbeit beinhaltet deshalb auch, sich für die Anerkennung von Kriegsdienstverweigerung als Asylgrund einzusetzen, und Kriegsdienstflüchtlingen zu helfen, Asyl zu erhalten.

 

 

 

 

Connection e.V.

Die IDK arbeitet mit Connection e.V. zusammen.

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Die IDK ist eine Sektion im internationalen Netzwerk der War Resisters' International (WRI). Transnational arbeiten Pazifistinnen und Pazifisten zusammen und organisiert Kampagnen und gewaltfreie Aktionen zu antimilitaristischen Themen. Mehr Infos

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